
Wenn ein Saal voller Menschen das Gleiche fühlt
Persönliche Betrachtungen zu der Vortragsreihe von Jürgen Weber und Wolfgang Moßmann im Januar 2026:
Gesichert rechtsextrem. Die AfD und die rechtsradikale Szene in der Region. Vortrag und Diskussion.
Stockach. Singen. Radolfzell. Drei Orte, drei Abende, ein Vortrag – und eine Stimmung, die sich erstaunlich ähnelte.
Schon vor Beginn lag etwas in der Luft. Diese Mischung aus Neugier und leiser Spannung:
? Wer wird kommen
? Wie voll wird es sein
? Wer sitzt da neben mir
? Und was wird heute gesagt werden
? Wird es vielleicht Ärger geben?
Dann gingen die Türen der jeweiligen Vortragsräume auf. Und mit ihnen wuchs etwas, das man kaum planen kann: Vorfreude.
Die Räume füllten sich bis auf den letzten Platz. Alle Veranstaltungen waren ausverkauft, auch eilig hinzugefügte Stühle oder Bankreihen bis zum letzten Platz besetzt.
Es war dieses leise Staunen zu spüren, wenn Menschen merken: Ich bin hier nicht allein.
Als die Vorträge begannen, war da vor allem Freude. Endlich ging es los. Endlich wurde ausgesprochen, was viele umtreibt. Und noch stärker: Es entstand ein Raum, in dem
nicht nur zugehört, sondern miteinander gedacht wurde.
Zwischen den Reihen saßen Vertreter verschiedener Demokratie-Bündnisse neben Lokalpolitikern und Einzelpersonen, die einfach gekommen waren, weil sie spüren: Das betrifft mich.
Was uns als OMAS GEGEN RECHTS besonders bewegt: Menschen aller Altersgruppen sprechen uns immer wieder an, danken uns und zeigen, wie sehr sie unsere Arbeit für die Demokratie wertschätzen.
In den Gesprächen nach dem etwa einstündigen Vortrag passierte etwas Besonderes.
Menschen tauschten sich aus, teilten Ideen, Erfahrungen, Kontakte. Man staunte über das Wissen, das Engagement, die Klarheit vieler Teilnehmender. Und auch über den Mut, ihre Stimme zu erheben und ihre Meinung laut zu sagen.
Gleichzeitig war es kein leichter Abend.
Es gab Momente der Bestürzung über das, was berichtet wurde. Momente, in denen ich schlucken musste.
Momente, in denen eine Angst greifbar wurde, wenn mögliche Zukunftsszenarien ausgesprochen wurden.
Und immer wieder kam ein Gefühl durch, das sich durch alle drei Abende zog: Dankbarkeit.
Dankbarkeit an Jürgen Weber und Wolfgang Moßmann für die vielen Arbeitsstunden, die in diese Vorträge geflossen waren. Dankbarkeit für die Klarheit. Für ihren Mut, die Dinge auszusprechen. Und die Bedrohungen und Anfeindungen auszuhalten.
Ja, es war stellenweise auch überfordernd. Die Menge an Informationen war groß. Zu groß, um alles sofort zu sortieren. Umso erleichternder die Aussicht, dass es dazu bald
eine schriftliche Ausarbeitung geben wird. Deshalb möchte ich an dieser Stelle auf jegliche Inhalte verzichten. In wenigen Tagen wird ein Magazin mit der inhaltlichen
Zusammenfassung erscheinen.
Und dann, nach dem Applaus, nach den Gesprächen, nach dem Heimweg?
Da blieb erstaunlicherweise nicht die Schwere zurück.
Sondern etwas anderes.
Motivation. Und Erleichterung.
Vielleicht gerade wegen der Schwere.
Vielleicht gerade wegen der Ehrlichkeit.
Vielleicht, weil man gemerkt hat: Wenn so viele Menschen gemeinsam in einem Raum sitzen, zuhören, mitdenken, diskutieren und nicht wegsehen – dann ist Demokratie kein
abstrakter Begriff.
Sondern ein Gefühl, das man teilen kann.
Und das man mit nach Hause nimmt.
Autorinnen: Sue und Andrea
Fotos: Andrea, mit Genehmigung von Sue
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