
Ich bin Jahrgang 1935 in Pillau (heute Baltijsk) an der Ostsee, Nähe
Königsberg Ostpreussen geboren.1939 zogen meine Eltern berufsbedingt nach Friedrichshafen, wo wirim April 1944 ausgebombt wurden und alles verloren. Nach einer Evakuierung ins Allgäu beschloss meine Mutter zusammen mit meinem älteren Bruder im Sommer1944 nach Pillau Ostpreussen zurück zu kehren, der Vater blieb berufsbedingt am Bodensee.
Wir kamen bei unserem Onkel auf einem kleinen Bauernhof in der Nähe von Fischhausen unter.
Im Sommer 1944 begann die grosse Offensive der Russen und im Februar 1945 standen die Russen bereits kurz vor Königsberg, die deutschen Truppen waren auf dem Rückzug und der Kriegslärm bei uns hörbar.
Zu diesem Zeitpunkt beschloss meine Mutter mit mir und meinem Bruder zu fliehen.
Unser Onkel brachte uns mit dem Pferdefuhrwerk zu nächste Bahnhof und wir kehrten nach Pillau zurück, wo wir auf einem Schiff unterkamen. Auf der Schiffsfahrt über die Ostsee, in beengtem, überfülltem Lastraum, ohne Toaletten, landeten wir in Swinemünde und von dort mit Bahn bis in die Nähe von Röbel/Muritzsee. Dort kamen wir bei einem Schullehrer unter. Im April 1945 erreichten die Russen unser Dorf. Wir litten unter Hunger, die Frauen wurden vergewaltigt.
Im Spätherbst 1945 beschloss meine Mutter in den Westen zu fliehen. Wir schlugen uns bis zum nächsten Bahnhof durch und kamen im geschlossenen Güterwagen glücklich über die Grenze in den amerikanischen Sektor.
Zuvor hatten wir über das rote Kreuz erfahren, dass eine Tante von Pillau über die Ostsee nach Flensburg geflohen war und unsere Mutter beschloss dorthin weiter zu reisen, da wir zu unserem Vater keinen Kontakt bekamen.
Die Reise nach Flensburg absolvierten wir auf einem offenen Güterwagen, der mit Kohle beladen war. Nähe Flensburg kamen wir bei einem Bauern unter, bei dem auch die Tante untergekommen war. Von dort bekamen wir auch wieder Kontakt zum Vater, der uns dann abholte und nach Meersburg brachte, wo er inzwischen lebte.
Hier endete unsere Flucht.