In unserem Monatsrückblick findet ihr kurze Erlebnisberichte unserer Omas und Opas zu den entsprechenden Aktionen oder Veranstaltungen. Die Berichte sind ungefiltert und stellen einen persönlichen Eindruck dar. Viel Spaß beim Stöbern!
06.04.2026 Eindrücke vom Internationalen Bodensee-Friedensweg
Text und Bilder: Doris Schilling
Traumwetter am Ostermontag – ideal für die Teilnahme am Internationalen Bodensee-Friedensweg, der dieses Jahr vom Konstanzer Stadtgarten zum Hafenareal Kreuzlingen führte.
Etwa 700 friedensengagierte Menschen trafen sich an der Konzertmuschel im Konstanzer Stadtgarten. Das Durchschnittsalter dürfte wohl Ü40 gewesen sein, vielleicht sogar ein bisschen höher.
Die Kundgebung
Als ich eintraf, wurden dort bereits die ersten Grußworte an die Teilnehmenden gerichtet. Viele waren befremdet, dass hier ein Sprecher/eine Sprecherin der Stadt Konstanz fehlte.
Mich sprach besonders der Redebeitrag des Schülers Joshua Dreier an, der sich – zu Recht – gegen die geplante Wiedereinführung der Wehrpflicht stellte. Damit dürfte er wohl dem Großteil seiner Altersgruppe aus dem Herzen gesprochen haben.
Eine Vertreterin der „Spurgruppen Österreich!“ entzündete das Friedenslicht, das anschließend über die Grenze nach Kreuzlingen getragen wurde.
Danach führte der Hauptredner Jürgen Grässlin, bekanntester Friedensaktivist Deutschlands, aus, in welchem Ausmaß die Zahl der derzeit in der Welt stattfindenden Kriege zugenommen hat. Er nannte die erschreckenden Zahlen der Kriegstoten, der durch Kriege verstümmelten und traumatisierten Menschen sowie auch die enormen, durch diese Gewalt entstehenden Kosten und deren umweltzerstörerischen Folgen, was mir und wohl vielen Zuhörenden ein Schaudern über den Rücken gejagt und Tränen der Verzweiflung in die Augen getrieben hat.
Dann äusserte er sich zu dem, was wir, insbesondere unsere Regierung und Grosskonzerne dazu beitragen: Aufrüstung in Milliardenhöhe, Einsparungen dort, wo Hilfe am meisten gebraucht wird, wodurch wiederum Not erzeugt wird und dadurch Menschen geschädigt werden.
Es war ein langer – scheinbar nicht enden wollender – Beitrag, aber all das musste gesagt werden, auch dass die für diese Kriege verantwortlichen Regierenden vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag gestellt werden müssten. Er nimmt auch unsere Bundesregierung nicht aus, die hierzu massiv Beihilfe leistet.
Der Weg nach Kreuzlingen
Es war ein Demonstrationszug mit vielerlei Transparenten und Flaggen.
Unterwegs wurde ich zwei Mal auf unseren Namen OMAS GEGEN RECHTS angesprochen. Dass wir gegen etwas seien, führe doch zur Spaltung, man solle miteinander reden!
Auf die Antwort, dass wir uns gegen eine Partei richten, die nichtdemokratische Ziele vertritt, erwiderten die Fragenden, dass deren Wähler Bürger mit demokratischer Gesinnung seien.
Mit diesen Menschen wollen wir reden und tun das ja auch! Es geht beim Ausdruck GEGEN die Partei.
Dann entnahm ich den Äusserungen, gewisse Verharmlosungen, die AfD sei durchaus demokratisch und fragte mich: Waren dies Sympathisanten?
Ich bat dann um einen Vorschlag für einen Namen und bekam den Vorschlag „Omas für alle“.
Das geht nun aber wirklich am Kern der Sache vorbei.
Eine schöne Begegnung
Eine sehr schöne Begegnung war mit Elisabeth einer OMA GEGEN RECHTS aus Wetzlar. Das Erkennungszeichen – unsere Rucksackhüllen. Wir führten gemeinsam die Diskussion mit denjenigen, die unseren Namen nicht gut fanden. Die Resultate waren eher bescheiden und nicht anwendbar.
Mit Elisabeth tauschte ich Erfahrungen über unsere Aktivitäten und Organisationen aus. Wir spürten sofort viel Sympathie füreinander, weil wir uns für die gleiche Sache engagieren.
In Kreuzlingen verlief sich die Veranstaltung relativ schnell. Insbesondere der dortige Verpflegungsstand lockte die zwischenzeitlich hungrig gewordenen Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Ruckzuck bildete sich eine große Schlange. Und das war auch gut so, denn der Erlös des Standes kam Palästinenserinnen und Palästinensern im Yarmouk-Flüchtlingscamp südlich von Damaskus zugute.


März/April 2026: ForumTheater-Kurs der OGR Bodensee
Ein Gastbeitrag von Brigitte Mehl von den OMAS GEGEN RECHTS BODENSEE, Bilder freigegeben von den OGR Bodensee
Teilnahme und Reden bei Demos, Infoveranstaltungen, Infotische, Flyer verteilen, Redebänkle – vielfältig waren unsere Aktionen, um dem wachsenden Zulauf zur AfD entgegenzustehen, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, aufzuklären, zu überzeugen. Die Zahlen bei den jüngsten Landtagswahlen – erschreckend.
Unsere Suche nach neuen Ausdrucksformen zu unserem Thema „gegen rechts“, neuen Ansprachemöglichkeiten, brachte uns auf die Idee, Forumtheater zu spielen.
Was ist Forumtheater?
Der brasilianische Theaterregisseur Augusto Boal, Begründer des „Theaters der Unter- drückten“, hat mit dem Forumtheater in den 1960er Jahren eine Methode entwickelt, mit der alle Beteiligten in einem gemeinsamen Prozess spielend zur Konfliktlösung beitragen. 1981 wurde in Kanada auf der Grundlage von Boals Theaterformen das „Theatre for Living“ gegründet.
Die Theatergruppe entscheidet sich für eine Szene, in der eine schwierige Situation dargestellt wird. „Die Szene stoppt an einer Stelle, an der es nicht weiterzugehen scheint. Das Publikum wird eingeladen, jene Rollen zu ersetzen, die im Verlauf der Szene als ohnmächtig oder ratlos erscheinen. Die Szene wird nochmals gespielt und die neuen Darsteller:innen aus dem Publikum erproben ihre Lösungsvorschläge. Forumtheater wird auf diese Weise zu einem kraftvollen … und spannenden Medium, das ein kollektives Brainstorming zu Handlungsideen und neuen Perspektiven aktiviert.“
www.interact-online.org/interact/theateransatz/forumtheater
Wir konnten Micha Messermann, Theatermacher und Regisseur aus Mainz, gewinnen, mit uns ein Theaterstück zu entwickeln, das wir auf der Straße, bei öffentlichen Veranstaltungen oder auch bei Demos gegen Rechts aufführen können.

In der Woche vom 16. bis 20. März probten wir täglich von 9.30 – 17.00 Uhr in Räumlichkeiten der Zeppelinuniversität in Friedrichshafen. Am Montagmorgen lernten wir Micha kennen, der uns mit Aufwärm-, Bewegungs-, Orientierungs-, Gruppenübungen in einen energetischen, fröhlichen Zustand versetzte und schnell alle Überlegungen wie: Ist das wohl das Richtige für mich? etc. davonfliegen ließ.
Am Ende des ersten Tages waren wir bereits eine eingeschworene Gemeinschaft. Nicht alle von uns hatten bisher Theatererfahrung bzw. selbst Theater gespielt. Wir entdeckten unter Michas Anleitung in einem geschützten Raum ungeahnte Talente und Fähigkeiten, die Micha aus uns herauskitzelte und dass Theaterspielen höllischen Spaß macht. Es wurde sehr viel gelacht!
Bei der Findung unseres Stücks konfrontierte uns Micha immer wieder mit der Frage: „Warum bist du bei den Omas gegen rechts?“
Was bewegt mich, was treibt mich an, was möchte ich erreichen?
In beeindruckender Weise führte er uns weg von plakativen Aussagen wie: „Ich bin gegen die AfD! Für Meinungsfreiheit! Gegen Rassismus! etc.“, hin zu tiefer liegenden Emotionen und Erfahrungen. Aus dem Austausch darüber in der Gruppe, sowie der Arbeit mit Skulpturen, Pantomime, Entwicklung von Szenen in Kleingruppen, kristallisierte sich nach 3 Tagen intensiver Arbeit unser Stück heraus. Hurra!
Jetzt ging es an die Rollenbesetzung, die Dramaturgie und die Proben. Wobei es für die Zukunft so gedacht ist, dass jede von uns jede Rolle spielen kann.


Am Freitagnachmittag war die Generalprobe in der Zeppelinuniversität vor Publikum. Wir machten die ersten Erfahrungen mit dem Medium Forumtheater; gewannen erste Eindrücke, wie Forumtheater funktioniert, wenn Interventionen aus dem Publikum die Handlungen und die Verhaltensweisen der Protagonisten beeinflussen und verändern. Grandios!
Am Samstag eine neue Herausforderung. Es ging auf die Gass! Wir spielten insgesamt 5mal in der Friedrichshafener Fußgängerzone vor wechselndem Publikum, wieder mit neuen, tiefgreifenden Erfahrungen. Völlig fremde Menschen kommen miteinander in Gespräch, noch lange nach Beendigung der Vorführung.
Zum Schluss noch unser Highlight!
Viele Jahrzehnte war Irmgard Teil des Theaterfestivals in Friedrichshafen. Durch ihre Kontakte und ihren Einsatz wurden wir mit unserem Forumtheaterstück zu den renommierten Theatertagen am See vom 27.- 30.3.26 in Friedrichshafen eingeladen. Das ermöglichte uns das Spielen auf einer richtigen Bühne vor einem theateraffinen Publikum und die tolle Möglichkeit, unser Thema einem breiteren Publikum vorzustellen und fundierte Rückmeldung zu bekommen. Das war für uns eine aufregende tolle Erfahrung!


17. April 2026: Schmutzki-Konzert im Kula
Text von Christina Herbert-Fischer; Bilder von Birgit Schmidt und Connie Bartels
Schmutzki forever
Der Kula füllt sich, eine freudige Erregung macht sich breit. Der Infotisch ist bestückt, das Banner hängt. Es kann losgehen!

Unsere Omas vor Ort gibt es seit eineinhalb Jahren; dreimal waren wir bis jetzt bei Konzerten der Punkband Schmutzki mit einem Infostand dabei und hoffentlich noch oft.
Als ich Jugendliche war, hätte Punk und Omas nun nicht so augenscheinlich zusammengepasst, aber … die Zeiten ändern sich.
Am 17.04. hatten wir wieder Mal als Omas im Kula totalen Spaß, tolle Gespräche am Rande, praktische Verknüpfungen mit anderen Initiativen und wir schmiedeten gleich Pläne für gemeinsame Aktionen.
Wir Omas wurden am Höhepunkt des ausverkauften Konzerts auf die Bühne geholt und der Saal tobte.
An die 500 Leute aller Altersstufen jubelten uns „alten Schachteln“ zu!
Das Publikum war außer Rand und Band, skandierte und eine Welle der Begeisterung umspülte uns regelrecht. Es war eine Energiespritze für unser Engagement, ich habe mich selten so begeistert und mitgenommen gefühlt! Es war Euphorie pur und das tat gut.

Sicher gab es unter den vielen Fans im Publikum auch einige die eher betreten unter sich geschaut hatten, aber das waren sehr wenige.
Wir haben unglaubliche Unterstützung erfahren! Mein Dank geht auch an diese unglaubliche Band, die uns und unser Engagement für Demokratie so toll unterstützt.
Fast jeder fünfte Wähler in Baden-Württemberg hatte AfD gewählt, in Konstanz war das zum Glück nicht so. Dass das so bleibt, darauf hoffen wir nicht nur, dafür werden wir kämpfen! Im Landkreis, sehen die Zahlen anders aus, dort werden wir das auch tun. Für mich ist Aufgeben so gar keine Option!
Wir sind Lebensfreude pur und zusammen einfach stark. Und wir haben gerade erst angefangen!


So, das war es für diesen Monat, meine lieben Leser*innen. Wir hoffen, unser Monatsrückblick hat euch inspiriert und ihr konntet ein wenig mehr über uns erfahren: was wir denken, wofür wir stehen, wo und wie wir aktiv sind und was wir für die Zukunft planen.
Schreibe einen Kommentar