von Doris Schilling
Im Rahmen der landesweit ausgerufenen langen Nacht der Demokratie am 2. Oktober 2026 in Konstanz, gestaltet vom Bündnis für Demokratie Konstanz, führten die OMAS GEGEN RECHTS vom Bodenseekreis zusammen mit den OMAS GEGEN RECHTS in Stadt und Kreis Konstanz auf dem Konstanzer Münsterplatz drei Mal in Folge eine Vorstellung vom Typ Forum-Theater auf.

Um was geht es?
Es wird szenisch eine kleine Geschichte gespielt, deren Ausgang Unbehagen auslöst. Die Zuschauer werden dazu ermuntert, bei einem weiteren Durchgang die Handlung durch Eingreifen abzuwandeln. Es ist erstaunlich, welche neuen Lösungsansätze sich ergeben können.
Die Handlung
Ein Vater sitzt mit seiner Tochter auf einer Bank. Er ist kriegsverletzt (steifes Bein) und in seinen Gedanken und Erzählungen in der Vergangenheit verhaftet.
„Wir waren jung ….“
Symbolisch übergibt er der Tochter (Protagonistin) den schweren Rucksack, den er sein Leben lang mit sich herum geschleppt hat. Sie übernimmt ihn und ist schwer von diesem niedergedrückt. In dieser depressiven Stimmung verhaftet begegnet sie einer gut gelaunten Freundin, die mit ihr einkaufen gehen will, da sie am folgenden Tag ihren Geburtstag feiern will.


Im Laden sind zwei junge Frauen – eindeutig als Paar erkennbar, eine davon sichtbar schwanger. Ein junger Mann, Kevin, vermutlich rechtsextremer Gesinnung, beschimpft die beiden Frauen aufs Übelste:
„…. zwei Weiber, eine davon schwanger, das ist ja ekelhaft ….“
Die beiden weichen erschrocken zurück. Die Protagonistin will eingreifen, wird aber ebenso beschimpf mit:
„…. alte Schachtel ….“ und vom Jugendlichen (Kevin) bespuckt.
Ihre Stimmung sinkt weiter, auch die Freundin kann sie nicht mehr herausholen und lässt sie stehen. Fassungslos bleint sie allein auf der Bühne zurück und sagt:
„Ich verstehe das alles nicht“



Zuschauerbeteiligung
Die Zuschauer werden nun ermuntert, zu überlegen, wo sie eingreifen könnten. Es kommen verschiedene Möglichkeiten in Frage und letztlich auch szenisch zustande:
- Das Paar wird durch positive Reaktion – z.B. auf die Schwangerschaft – aufgebaut.
- Die Protagonistin erfährt Zuspruch
- Ein Zuschauer, Michael, spricht Kevin auf sein Verhalten an. Es kann sein, dass dieser sich überzeugen lässt, sein Verhalten zu ändern. Eher wahrscheinlich ist das Gegenteil.
- Kann man ihn mit positiver Zuwendung: Kaffee trinken gehen, Eis essen gehen, etc. aus seinem Hass herausholen?


Mich hat das Stück sehr ergriffen. Auch ich habe einen Rucksack mit den Kriegserlebnissen meines Vaters aufgebürdet bekommen. Daraus entstand mein Entschluss, dabei mitzuwirken, dass die Geschehnisse von vor hundert Jahren sich nicht mehr wiederholen. Ich bin dankbar, dass es die OMAS GEGEN RECHTS gibt und ich mich da einbringen kann.
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