BerichtE über Begegungen beim Stand der AFD auf der Konstanzer Marktstätte am 19.09.2026

von Lisa
Liebe MitOmas,
Ich bin geschafft!
Eine Stunde Gespräch mit einem jungen Mann und einem gesetzten Juristen der AfD.
„Ich habe einen Traum.
Ich wünsche mir eine Welt, in der es jedem einzelnen Menschen gut geht.
Finde ich da bei Ihnen Unterstützung?“
„Das ist ja ein schöner Traum“, meinte der junge AfDler,
„aber leider hat sich herausgestellt, dass das nicht möglich ist.
Deshalb sorgen wir jetzt erstmal für Deutschland.“
In der Folge fiel das Wort „Deutschland“ öfter, als sonst in einem ganzen Jahr meines Lebens.
Im Laufe des Gesprächs zitierte er eine „Studie???“ eines Psychologieprofessors, der die These aufstellt, unterschiedliche Ethnien hätten unterschiedliche IQ-Levels.
In Deutschland hätten wir eben einen sehr hohen.
Ich war sprachlos
Erzählte von meinen 40 Jahren Lehrerinnen-Tätigkeit, auch in der Internationalen Vorbereitungsklasse, wo mir sowas nie aufgefallen sei.
Nun gut, das sei jetzt halt eine Anekdote, aber keine Studie, war die Antwort.
Ein junger Passant, der mittlerweile dazu gekommen war und sich die Studie zeigen ließ, stellte fest, dass keinerlei Beweise für diese These zu finden waren.
Das beeindruckte unseren jungen AfD-Politiker allerdings gar nicht.
So ging es mit diversen Themen weiter.
Der ältere Jurist betonte beim Thema Abschiebung immer wieder: „Es ist mir egal, wie es den einzelnen Menschen geht. Das Recht muss durchgesetzt werden.“
Ich war erschüttert, nicht nur über den Gesichtsausdruck meiner Gesprächspartnerr, sondern über die Gesichtsausdrücke vieler umstehender AfDler.
„Schauen Sie bitte nicht so martialisch. Sie haben bestimmt auch ein Herz“, bat ich.
Tatsächlich wurden die Blicke für Momente weicher…
Ich verabschiedete mich mit den Worten:
„Bitte denken Sie ab und zu an mich!
An den Traum vom guten Leben für alle!“
Ich habe jetzt mehr Angst als zuvor – Stunden danach…
Bericht von Christiane
Während einige Omas und Opas von uns sich mutig der Diskussion mit Anhängern dieser Partei direkt am Stand stellten, blieben wir anderen in der Nähe und kamen mit zahlreichen Besuchern und Besucherinnen der Marktstätte ins Gespräch.
Ich erlebte diese Stunden als eindrucksvoll und ermutigend. Viele blieben stehen, zeigten ihre Zustimmung und sagten „Wie schön, dass es euch gibt!“ oder „ Macht weiter!”. Es war spürbar, wie sehr sich manche darüber freuten, dass wir da waren, sichtbar waren und Haltung zeigten.
Besonders lebendig ist mir die Begegnung mit einer Frau aus Bayern in Erinnerung geblieben. Sie blieb sehr aufgeregt bei mir stehen und begann mir von ihrem Dorf nahe der thüringischen Grenze zu erzählen. Ich merkte ihr an, wie sehr sie das beschäftigte. Die Anhänger der AfD seien dort inzwischen sehr präsent, erzählte sie. Sie zögen johlend durch das Dorf, veranstalteten Umzüge und andere Aktionen und sie habe oft das Gefühl, dass niemand etwas dagegenhalte. Und nun seien sie schon wieder hier – und das noch in ihrem Urlaub. Dann sah sie uns Omas und Opas mit unseren Buttons, den Westen und T-Shirts angetan und da wich sichtbar ihre Verärgerung und sie sagte mir, es tröste sie zu wissen, dass sich hier Menschen entgegenstellten.
Ja, dieser Moment hat mich sehr berührt. Es war eigentlich nur ein kurzes Gespräch unter vielen anderen, aber ich hatte das Gefühl, dass wir dieser Frau für einen Augenblick etwas gegeben hatten, was ihr offenbar schon verloren gegangen war: das Gefühl, mit ihrer Sorge nicht allein zu sein.
Bericht von Kathi
Ich hatte die Idee, eine Einzelperson anzusprechen und einfach Fragen zu stellen, sodass in erster Linie die Gesprächspartnerin reden konnte und ich somit im Zuhören einiges erfahren konnte. Und es klappte ziemlich gut. Sie freute sich sehr darüber, mir aus ihrer Welt zu berichten in unerschütterlichem Glauben an ihre Wahrheiten.
Es war eine fremde und irgendwie abstruse Welt, weit entfernt von der meinigen.
In erster Linie ging es ihr natürlich um Migration und darum, die viel zu vielen Migranten abzuschieben. Auf meine Nachfrage bezüglich eines Desasters, wenn die vielen wertvollen Menschen in unseren sozialen Einrichtungen fehlen würden, bestand sie darauf, dass nur die Kriminellen davon betroffen wären!!
Im folgenden eine Auflistung weiterer Positionen der AfD-Gesprächspartnerin:
- sie verstehe überhaupt nicht, warum die AFD so sehr gehasst werde. Sie selbst sieht keinerlei Hass von ihrer Partei
- Höcke wird ihrerseits komplett verharmlost …. Er sage halt manchmal „so Sachen“
- den Klimawandel gebe es nicht, es sei doch ein so schöner Tag
- jegliche Presse sei „von oben“ kontrolliert
- weiße Streifen am Himmel und auch Cirruswolken seien keine Wolken, sondern produziert und vergiftet (Geoengineering!) Sie zeigte es mir auf dem Handy und ich solle mich doch mal informieren.
- Schulpflicht solle bleiben, der Unterricht solle jedoch streng nach staatlichen Vorgaben gegeben werden. Interessant war, dass sowohl sie als auch ein Kollege, den sie wegen des Schulthemas zugezogen hatte, betonten, es solle so werden wie früher! Auf meine Frage, wann denn das „Früher“ zu verorten sei, .. ja… so vor 20 Jahren. ??
- nicht Putin habe den Krieg begonnen, nein, nein!! Die Ukrainer hätten die auf der Krim lebenden Russen unterdrückt, sodass Russland sich verteidigen müsse!!
Das Gespräch verlief friedlich und fast schon freundlich, aber ich schlug dann etwas erschöpft vor, dass wir das jetzt beenden sollten, wir irgendwie doch eher auseinander lägen in unserer Wahrnehmung. Und wir verabschiedeten uns mit Handschlag.
Wie lebt es sich wohl in solch einer Verschwörungsblase? Ich bin entsetzt!
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